FDn 50-1.4

Übersicht

• Vorwort

• Wozu überhaupt Filme eintesten?

• Notwendige Geräte

• Auswahl von Film und Entwickler

• Vorbereitungen und Testaufnahmen

• Filmentwicklung

• Visuelle Auswertung des Teststreifens

• Densitometrische Auswertung (mit Download meines Auswerteprogramms)

• Typische Dichtekurve

• Notlösung: Auswertung des Teststreifens mit Handbelichtungsmesser

• Der zweite und dritte Teststreifen

• Geht das mit einem Aufsichtsgraukeil nicht viel schneller?

• Und was hat man jetzt davon?

Vorwort

Dies ist keine grundsätzliche Anleitung zur SW-Film-Entwicklung. Dazu gibt es zahlreiche andere Internet-Quellen oder Fachbücher. Die wichtigsten Links sind in meiner →SW-FAQ zu finden. Ich unterstelle daher, dass jeder, der diese Seite gesucht und gefunden hat, über die Grundlagen bereits Bescheid weiß, wie z.B. dass bei fast allen Entwicklern der Filmkontrast über die Entwicklungszeit gesteuert werden kann. Im deutschsprachigen Internet gibt es außer dieser hier natürlich auch noch andere Anleitungen zum Eintesten von SW-Filmen. Viele Anleitungen erscheinen mir aber zu kompliziert oder schlecht zur Nachahmung geeignet, daher habe ich hier meine eigenen Erfahrungen zusammengefasst.

Das weiter unten ↓ im Abschnitt „Densitometrische Auswertung“ angebotene Programm zur leichteren Auswertung der Testaufnahmen stelle ich jedermann zur Verfügung, und es ist mir egal, ob es privat oder gewerblich genutzt wird. Ich übernehme aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Ergebnisse. Wenn jemand Fehler entdeckt, bin ich natürlich für Hinweise dankbar.

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Wozu überhaupt Filme eintesten?

Es gibt Hobbyfotografen, die behaupten, sie seien nur an guten Bildern interessiert und wollten sich eigentlich nicht um die Technik kümmern. Das funktioniert nicht! Analoge Fotografie kann zwar eine künstlerische Tätigkeit sein, aber sie basiert auf der Technologie des Films. Für optimale und reproduzierbare Ergebnisse ist es wichtig, diese Technologie so weit verstanden zu haben, dass man sie handwerklich sauber umsetzen kann. Darum geht es hier, und dazu ist es auch gar nicht erforderlich, diese Vorgänge in ihren physikalischen oder chemischen Details verstanden zu haben.

Bei einem Farbnegativfilm kann notfalls auf Eintesten verzichtet werden, da es nur darum geht, die tatsächliche Filmempfindlichkeit herauszufinden. Man legt ihn in die Kamera ein und belichtet mit der angegebenen Filmempfindlichkeit. Die Ergebnisse sind auf Anhieb immer mindestens mittelmäßig, nach einer eventuell notwendigen Reduzierung der Filmempfindlichkeit sogar optimal unter den gegebenen Umständen, die durch den Film definiert sind. Der Grund dafür sind weltweit standardisierte Entwicklungsverfahren. Mal abgesehen von Verfahrensfehlern kann man bei Farbfilm mit der Filmentwicklung das Ergebnis kaum beeinflussen. Nicht so bei Schwarzweißfilmen! Da kann es schon vorkommen, dass ein Film exakt nach Herstellerangaben belichtet und entwickelt wird und im Extremfall trotzdem unbrauchbar ist. Es gibt keinen Standard-Entwickler, kein Standard-Entwicklungsverfahren, keinen Standard-Vergrößerer, kein Standard-Fotopapier und auch kein objektiv optimales Standard-Entwicklungsergebnis. Ilford ist ehrlich und warnt in seiner Entwicklungszeittabelle: “These times are intended as a guide only!”

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Notwendige Geräte

Man braucht vor allem ein Densitometer, das ist im Grunde nichts anderes als ein genauer Belichtungs­messer. Mein altes Densito­meter gab es gebraucht günstig aus einer Röntgen­labor-Auflösung. Solche professionellen Trans­missions-Densito­meter haben eine eingebaute, bezüglich Hellig­keit und Farb­spektrum genau definierte Licht­quelle und einen darauf abgestimmten Sensor, was ich alles für Luxus halte. Zum Eintesten von SW-Filmen für den häuslichen Gebrauch sind →Labor­belichtungs­messer gut geeignet, die im Idealfall direkt in densito­metrischen Einheiten anzeigen (logarithmische Dichte). Die gibt's leider nicht als Schnäppchen, und wirklich gute gebrauchte Geräte sind selten. Zur Not tut es auch ein guter Hand­belichtungs­messer, der aber schon 0,1-EV-Schritte anzeigen sollte, d.h. auch nicht ganz billig. Alles was man sonst braucht, ist ein Taschen­rechner (oder ein PC mit Excel), sowie Standard­zubehör zur Film­entwicklung.
Wer noch keines dieser Geräte hat und auch kein Geld investieren will, muss sich notgedrungen durch allmähliche Variation von Belichtung und Entwicklung von Film zu Film herantasten, bis das Ergebnis passt und von einem normalen Motiv ein optimaler Abzug auf Grad.2 gelingt. Das ist wahr­scheinlich die Standard-Herangehensweise von vielen erfolg­reichen Foto­grafen (zunächst die halbe ISO-Empfindlichkeit einstellen, sich dann von oben ans Optimum herantasten, und dann erstmal bei diesem Material bleiben).

Der einzige Nachteil der nachfolgend beschriebenen Messmethode mit dem Labor­belichtungs­messer ist, dass die damit ausgewerteten Ergebnisse nur im Zusammenhang mit der individuell verwendeten Prozesskette gelten (vom Belichtungsmesser der Kamera bis zum Vergrößerungsgerät). Die Ergebnisse sind daher nicht direkt mit Dichtekurven aus Datenblättern vergleichbar, die vermutlich durch Belichtungsreihen in Profi-Sensitometern und Messung mit Profi-Densitometern ohne Streulichtverfälschungen etc. aufgezeichnet wurden. Manchmal hat man aber auch den Eindruck, dass die Kurven von der Marketingabteilung optimiert wurden. Der riesige Vorteil meiner Methode ist, dass alle konstanten Störeinflüsse aus der eigenen Prozesskette in der Messung enthalten sind und nicht weiter berücksichtigt werden müssen.

Anmerkung: Ich habe die Messungen mit den Laborbelichtungsmessern Hauck-MSA2 und RHD-Analyser und die Behelfsmessungen mit meinem Handbelichtungsmesser Gossen Variosix-F mit den Dichtemessungen eines alten Densitometers Wellhöfer Lullus 1.21 (der heißt wirklich so!) aus einer Röntgen-Praxis verglichen: Die Kurvenverläufe sind abgesehen von vernachlässigbaren Streuungen absolut identisch. Der einzige für mich relevante Vorteil des Densitometers ist, dass ich damit meine Filme auch bei Tageslicht am Schreibtisch genau ausmessen kann - verbunden mit dem Nachteil, dass ich Streulichteinflüsse nur mit einem pauschalen Korrekturfaktor berücksichtigen kann (dazu später).

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Auswahl von Film und Entwickler

SW-Fotografie ist heute ein Nischenmarkt, trotzdem ist die Vielfalt verschiedener Materialien erstaunlich und für einen Anfänger verwirrend. Man muss sich also zunächst für 1 (in Worten: einen) Film und vor allem für 1 (einen!) Entwickler entscheiden. In meiner → SW-FAQ habe ich einige Auswahlkriterien zusammengestellt. Die Entscheidung für genau eine Kombination ist für Anfänger SEHR wichtig. Ein ständiges Hin- und Herprobieren auf der Suche nach der Ideallösung führt nur dazu, dass man irgendwann abgelaufene Restbestände von zahlreichen Film- und Entwicklersorten herumstehen hat und damit nur Frust ansammelt. (Ich weiß leider, wovon ich schreibe!) Die ideale Kombination ist die, die man am besten kennt und mit der man bereits seine Erfahrungen gesammelt hat. Wenn man einmal so weit ist, dass man genau weiß, was man will, kann man immer noch etwas anderes ausprobieren.

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Vorbereitungen und Testaufnahmen

Die nachfolgenden Beschreibungen gelten für Kleinbildfilm, sind aber sinngemäß auch z.B. auf 120er Rollfilm übertragbar. Lediglich der Filmverbrauch ist damit etwas höher.

Die Testaufnahmen erfolgen bei konstant diffusem Tageslicht. An einem heiter bis wolkigen Tag mit ständig wechselnder Beleuchtung hat man keine Chance. Dann muss das Vorhaben eben verschoben werden. Tageslicht muss es deswegen sein, weil ein SW-Film bei Kunstlicht eine abweichende Empfindlichkeit hat (typisch 1-2 DIN weniger). Eine KB-Kamera, die im Idealfall über manuelle Belichtungseinstellung verfügt, wird mit einem 36-er Film geladen und die Nenn-Empfindlichkeit wird am Belichtungsmesser eingestellt. Stehen mehrere Kameras zur Auswahl, kommt die dran, deren Zeit- und Blendensteuerung am zuverlässigsten erscheint. Das Objektiv ist idealerweise ein 50-er oder ein leichtes Tele, das auf unendlich stehen muss (Autofocus aus!). Um auf jeden Fall Verfälschungen durch den Schwarzschildeffekt zu vermeiden, sollten keine Belichtungszeiten länger als 1/2 Sekunde verwendet werden. Bei den kurzen Zeiten sind die Abweichungen des Verschlussablaufs sicher gravierender als ein eventueller Schwarzschildeffekt. Daher vermeide ich beim Eintesten auch alle Zeiten von 1/500s und kürzer.

Da nicht alle Kameras übereinstimmende Belichtungsmesser haben, sollten Sie für diese Tests immer den selben Referenzbelichtungsmesser verwenden. Das kann natürlich auch der in der Kamera integrierte sein. Kameras, bei denen eine digitale Belichtungsanzeige gleich Sprünge von 1/2 Blendenstufe macht, sind dafür aber schlecht geeignet. Besser sind analoge Zeigerinstrumente oder Handbelichtungsmesser mit 0,1 EV Anzeigegenauigkeit. Ein manueller Belichtungsabgleich eines integrierten Belichtungsmessers muss übrigens nicht unbedingt zur gleichen Belichtung führen wie eine Belichtungsautomatik. Hierzu möglicherweise auch interessant: mein →Belichtungsmesser-Vergleichstest)

Jetzt wird formatfüllend auf eine einheitlich helle und farblich neutrale Fläche die Belichtung gemessen. Das muss keine teure Graukarte sein, ich nehme z.B. immer ein Blatt Druckerpapier, am besten ist Recycle-Papier, weil das keine bei UV-Licht wirksamen Aufheller enthält. Mit dieser Belichtungseinstellung erhalten wir ein Negativ mit mittlerem Grauwert. Ausgehend davon wird jetzt eine manuell eingestellte Belichtungsreihe mit neun formatfüllenden Aufnahmen gemacht, auf denen nichts außer diesem Blatt Papier drauf ist. Damit der Belichtungsmesser ganze (oder halbe) EV-Werte anzeigt und ich am Objektiv genau ganze (oder halbe) Blendenstufen einstellen kann, muss ich eventuell die Beleuchtung geringfügig ändern, z.B. Jalousie ein bisschen rauf oder runter. Von der Verwendung von Belichtungsautomatiken rate ich ab, da alle möglichen Störeinflüsse vermieden werden müssen. Wir beginnen mit einer Unterbelichtung um 4 Stufen, die letzte Aufnahme ist dann 4 Stufen überbelichtet. Im →Zonensystem von Ansel Adams sind das die Zonen I bis IX:

−4  −3  −2  −1  ±0  +1  +2  +3  +4

Das entspricht einem Kontrastumfang von 8 Blendenstufen oder 1:256, was für die alltägliche Knipserei schon extrem viel ist. Der Film wird nach diesen Aufnahmen zurückgespult, dabei die Zunge möglichst noch aus der Patrone herausstehen lassen. Vom Filmanfang werden inklusive Zunge 76mm abgeschnitten und die Ecken wie gewohnt leicht abgeschrägt.

Weiter geht's in der Dunkelkammer, in der vorher an einem Tisch oder Regalbrett im Abstand 456mm von der Kante z.B. mit Klebeband eine im Dunklen tastbare Markierung angebracht wird. Das entspricht der Länge des belichteten Films einschließlich Sicherheitsabstand. Diese Filmlänge wird mit einer Schere abgeschnitten und wie gewohnt in die Entwicklungstrommel eingespult.

Der in der Patrone verbliebene Rest des Films reicht exakt für zwei weitere gleichartige Probestreifen. Mit der Schere wird zum erneuten Einlegen wieder die übliche Form der Zunge angeschnitten.

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Filmentwicklung

Der Filmstreifen wird jetzt wie gewohnt entwickelt. Dabei auf Einhaltung aller(!) wichtigen Parameter achten. Dazu gehören vor allem die Einhaltung einer Standard-Entwicklertemperatur und der immer gleiche Kipprhythmus, z.B.:

• Ilford-Kipp: 10/60/4x, d.h. die ersten 10s Dauerkippen, danach alle 60s 4x (ca. 10s lang)

• Agfa-Kipp: 60/30/1x

• Kodak-Kipp: 5/30/5x, wobei die 5 Kippbewegungen nur 5 s dauern sollen, also sehr kräftig kippen!

• Auch wichtig: Nach dem Kippen kommt bei mir immer eine abschließende Schwenk­bewegung (wie mit einem guten Glas Cognac) zur Lösung von Luft­blasen. Kodak empfiehlt alternativ, die Dose aus 1 inch Höhe hart auf den Tisch fallen zu lassen.

Die Entwicklungszeit läuft bei mir immer ab dem voll­ständigen Ein­füllen des Ent­wicklers. Nach Ablauf der Zeit, wird der Ent­wickler ausge­kippt. Die konstant 15s Abtropf­zeit zählen nicht mehr zur angestrebten Entwicklungs­zeit. All das muss man immer gleich machen - und immer das selbe → Thermometer verwenden, auch wenn es vielleicht falsch anzeigt. Abschließend wird die Entwicklung gestoppt und der Film fixiert.

Das Wichtigste bei der Entwicklung ist, diesen Prozess exakt wieder­holen zu können. Dazu hat sich bei mir Folgendes bewährt:

• Ich verwende grundsätzlich nur Einmal­entwickler.
• Bei Zeiten über 10 Minuten kippe ich unabhängig vom Entwickler im bequemen 60s-Rhythmus. Bei kürzeren Zeiten verwende ich einen 30s-Kipprhythmus. Zeiten unter 5 Minuten sollte man vermeiden, weil dann die Streuungen größer werden. Es ist wichtig, diesen Rhythmus bei allen Film­ent­wicklungen konstant beizubehalten. Ich lese gelegentlich mal, dass man durch mehr Bewegung den Detail­kontrast(?) steigern kann, ohne dass die Kurve zu steil wird. Das ist eines der vielen Gerüchte rund um die Film­entwicklung, denn mit Detail­kontrast kann eigentlich nichts anderes als Schärfe gemeint sein. Und dass mit häufigerem Kippen ein Film schärfer wird, soll erst mal einer nach­weisen! Aber sicher ist: Wenn außer der Entwicklungszeit auch noch der Kipp­rhythmus variiert wird, hat man zumindest als Anfänger eine Stell­größe zu viel und blickt bald gar nicht mehr durch.
• Der Entwicklungsprozess wird bei mir grundsätzlich mit einem → sauren Stopbad abgebrochen. Um eine nie ganz auszuschließende Nach­entwicklung in einem Wasser-Zwischenbad brauche ich mir dann keine Sorgen zu machen.
• Ich halte die Nenntemperatur (meist 20°C) während der gesamten Entwicklungs­zeit möglichst genau ein, was in der Praxis gar nicht so einfach ist. An heißen Sommer­tagen steht die Dose notfalls in einem vortemperierten 20°-Wasserbad. Natürlich gibt es Korrektur-Tabellen oder -Formeln für abweichende Temperaturen, ausgehend von der Entwicklungs­zeit Z20 bei 20°C:
korrigierte Zeit Z bei Temperatur T nach Kodak: Z = Z20 × e^[−0,081 × (T − 20°)] oder
nach Ilford bzw. Dr.Otto Beyer: Z = Z20 × e^[− (T − 20°) / 10,827397] oder
nach Anzinger für diejenigen ohne e-Funktion auf dem Taschenrechner:
Z = Z20 × (0,004×T×T − 0,25×T + 4,4).
Im Bereich 16-26°C sind alle diese Formeln gleichwertig, denn wir wollen hier sicher nicht auf Sekunden­bruch­teile genau rechnen. Aber gelten diese Zusammen­hänge wirklich für alle Entwickler und die darin enthaltenen unter­schied­lichen Substanzen gleicher­maßen? Auch ich verwende zum Eintesten bei abweichenden Temperaturen eine nach obigen Formeln korrigierte Zeit, aber ich achte vorher darauf, dass ich meine Nenn­temperatur möglichst genau einstelle. Wenn eine Abweichung von nur wenigen Zehntel Grad mit einer solchen Zeit­korrektur ausgeglichen wird, sollte diese Stör­größe vernach­lässigbar sein.

Weil es sich nur um einen Testfilm handelt, der nach dem Messen der Dichte­werte sowieso im Müll landet, trockne ich solche Film­streifen ruck-zuck mit dem Haarfön.

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Visuelle Auswertung des Teststreifens

Der entwickelte Teststreifen sollte deutlich neun Aufnahmen zeigen. Sie sehen nur 8 Aufnahmen? Das ist gut möglich, dann war die erste Aufnahme (-4) zu knapp belichtet, um eine sichtbare Schwärzung zu erzeugen. Oft ist die angegebene Nenn­empfindlich­keit etwas über­trieben, oder Ihr Entwickler nutzt die Empfindlichkeit schlecht aus (wie manche Feinst­korn­entwickler), oder es trifft beides zusammen zu. Bei richtiger Belichtung müsste sich diese erste Aufnahme deutlich sichtbar vom klaren Filmanfang oder dem Perforations­rand abheben.

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Densitometrische Auswertung des Teststreifens

Idealerweise erfolgt die Vermessung des Teststreifens mit einem Labor­belichtungs­messer auf dem Grund­brett des Vergrößerungs­geräts (Test­negative in der Bild­bühne). In diesem Fall enthält die Messung bei ausgeschaltetem(!) Duka-Licht bereits alle Streul­icht­einflüsse aus der Beleuchtungs­einrichtung (Kondensor und/oder Mischbox, Reflexe an Wänden usw.). Damit der Callier-Effekt (pdf) realistisch in die Messung eingeht, sollte die Messung bei der Blenden­einstellung vorgenommen werden, mit der auch das Papier belichtet wird. Ein typischer Labor­belichtungs­messer kann Dichte­unter­schiede ΔD=0,01 anzeigen, ein guter Hand­belichtungs­messer 0,1EV=0,03ΔD, die Belichtungs­messer­anzeige von Kameras dagegen oft nur 0,5EV=0,15ΔD! Die Messung mit einer Spiegel­reflex genügt so gerade noch für eine grobe Abschätzung des →Gammawerts, den interessanten Bereich am Fuß der Dichte­kurve kann man damit nicht ausreichend genau erfassen.

Ein ideales Negativ sollte bei dieser Vorgehensweise unabhängig von der Bauart des Vergrößerers einen gamma-Wert ergeben, der zur mittleren Papier­gradation 2 passt. Welcher gamma-Wert dafür anzustreben ist, hängt von der verwendeten Papiersorte ab. Leider ist der tatsächliche Kontrast­umfang verschiedener Papiere bei identischer Filterung nicht konstant. Auch die Daten­blätter geben dazu nur grobe Anhaltswerte. Jeder Filter- oder Papier­hersteller definiert die Gradations­angaben nach eigener Willkür. Daher sollte man auch sein →Fotopapier eintesten!

Wenn der Laborbelichtungsmesser die log. Dichte D über dem Grundschleier anzeigen kann, hat man es besonders einfach, siehe Gebrauchs­anweisung dieses Geräts. Um Mess­fehler durch Vignettierung des Aufnahme- und/oder Vergrößerungs­objektivs auszuschalten, muss lediglich darauf geachtet werden, dass die Mess­zelle immer genau in der Bild­mitte liegt.

Wenn der Laborbelichtungsmesser nur Zeit in Sekunden anzeigt, muss man etwas rechnen. Als erstes notieren wir die Zeit Za in Sekunden, die der Belichtungs­messer für den unbelichteten Film­anfang anzeigt. Die nächsten Messungen machen wir dann für die neun Testauf­nahmen und notieren jeweils die Zeit Z in Sekunden. Jetzt wird gerechnet. Die logarithmische Dichte D über dem Grund­schleier (engl.: base+fog) ergibt sich wie folgt:

D = log(Z) − log(Za)

Die so ermittelten Dichtewerte kann man in diesen → hier herunterladbaren Diagramm-Vordruck (PDF) eintragen: die Belichtungs­stufen −4 bis +4 auf der x-Achse, die D-Werte auf der y-Achse. Schöner geht es natürlich direkt mit dem PC. Ein Arbeitsblatt habe ich nachfolgend direkt zum Herunterladen vorbereitet.

 Filmtest.xls für MS-Excel  Filmtest.ods für OpenOffice

Ihre Diagramme sehen dann ungefähr so aus wie in folgendem Bild, in dem bis zu 6 Test­reihen in unter­schiedlichen Farben dargestellt werden können. Das Beispiel zeigt die schnur­gerade Kenn­linie von FP4, der damit sehr tolerant gegen Über­belichtung ist. Die in den Lichtern flachere Linie beim HP5 zeigt, dass dieser Film für eine eventuelle Push-Entwicklung gut geeignet ist. Die Punkte zeigen den Partial­kontrast, d.h. die örtliche Steigung der Kurven, während der mittlere gamma-Wert der Tabelle aus den Dichten im Bereich der Belichtungs­stufen von -2 bis +2 gebildet wird.
(Beide Filme wurden in Xtol 1+1 entwickelt. Mit anderen Entwicklern können sich abweichende Film­empfindlich­keiten und Kurven­formen ergeben.)

Filmtest.xls

Wenn die ermittelten Messwerte keine typische Gradationskurve, sondern eher eine Zickzack­linie ergeben, dann hat sich wahr­scheinlich die Beleuchtung während der Test­aufnahmen geändert (etwa durch Wolken am Himmel) oder die Zeit- oder Blenden­steuerung der verwendeten Kamera ist vermurkst. Vor allem kurze Verschluss­zeiten unter 1/500 sind da verdächtig.

Wichtiger als die Film­empfindlich­keit ist zunächst die Kontrast­auswertung. Für das von mir überwiegend verwendete Ilford Multigrade IV RC strebe ich ein mit dieser Mess­methode ermitteltes mittleres gamma von 0,65 an. Solche Negative kann ich dann bei mittlerem Motiv­kontrast von 5½ Blenden­stufen wunderbar auf Gradation 2 vergrößern und in beide Richtungen gibt es ausreichend Reserven durch Wahl einer anderen Papiergradation zwischen 0 und 4. Die dann noch möglichen Extrem-Gradationen 00 und 5 sind nur ein Notbehelf für vermurkste Negative; gute Bilder macht man damit wohl kaum. Diesen Zielwert 0,65 ermittle ich wie folgt: 5½ Blendenstufen entsprechen 2^5,5 = 1:45 oder logarithmisch 5,5×log(2) = 1,66. Ilford MGIV kann nach meinen Tests (mit meinem Vergrößerer etc.) bei mittlerer Gradation 2 einen Kontrast­umfang von etwa 1,08 wieder­geben. Mein persönlicher Ziel-Gammawert beträgt also 1,08÷1,66 = 0,65, gemessen auf dem Grund­brett des Vergrößerers. Dieser Ideal­wert gilt für alle Vergrößerer­bauarten. Für andere Papier­sorten, die im Vergleich zu Multigrade IV weicher oder härter arbeiten, muss man den Ziel­wert anpassen. Das neue Multigrade V RC Deluxe arbeitet z.B. härter, der ideale Zielwert dafür ist gamma=0,57. Die oben im Bild gezeigten Test­reihen wurden ohne Streulicht­einfluss mit einem alten Röntgenlabor-Densitometer ausgemessen, daher gilt der von der Bauweise meines Vergrößerers (Dunco) abhängige höhere Zielwert 0,70 (für neues Ilford MGV: 0,62)

Was ein mittlerer Motivkontrast ist, hängt natürlich von den persönlichen Vorlieben ab. Zwischen Theaterbühnen und Nebel­land­schaften liegen Welten.

Den Gammawert des entwickelten Films kann man auch ohne Excel einfach mit einem Taschen­rechner ermitteln. Ich empfehle dazu die Dichten der Belichtungs­stufen -2 und +2 und rechne wie folgt:
gamma = [D(+2) - D(-2)] / 1,2
bzw. gamma = Dichte­unter­schied geteilt durch 1,2
Der Teiler 1,2 ergibt sich aus 4 Blendenstufen à 0,3 und 0,3=log(2).

Wenn der Gammawert kleiner als mein persönlicher Zielwert ist, muß ich länger entwickeln. Liegt er darüber, muss durch Verkürzung der Entwicklungszeit der Kontrast verringert werden.

Der zweite Blick erst gilt der Filmempfindlichkeit:
Bei einer idealen Belichtung für diesen Test sollte die erste Aufnahme (das war die um 4 Blendenstufen unterbelichtete) bei D=0,1 liegen. Das ist der Norm-Empfindlich­keitspunkt der getesteten Film-Entwickler-Kombination (wissenschaftliche Details für SW-Filme siehe ISO 6, für Farbnegativfilme ISO 5800, für Farbdiafilme ISO 2240, für Digitalkameras ISO 12232). Diese Stelle wird dann später auf dem Positiv tiefschwarz. Bei Betrachtung unter hellem Tageslicht (und nur dann) könnte man gerade sich abzeichnende Konturen erkennen. Die zweite Aufnahme sollte dann bei etwa D=0,2 oder leicht darüber liegen. Dort beginnt der annähernd gerade Anstieg der Dichtekurve und damit der voll nutzbare Bereich des Films mit schön abgestuften Grauwerten bereits in den Schattenzonen. Ich orientiere mich mit der Festlegung der Film­empfindlich­keit an diesem Punkt und verstoße damit bewusst gegen die →ISO-Norm. Weil der Punkt bei D=0,1 im Bereich der bereits „abgesoffenen“ Schatten liegt, ist dieser für die praktische Fotografie kaum von Bedeutung. Meine Auswertung hat außerdem den Vorteil, unabhängig vom stark streuenden Verlauf der Dichtekurve im Fußbereich zu sein.

Durch horizontales (Links-Rechts-) Verschieben der Kurve hat man ein Maß dafür, wie viele Belichtungsstufen man mehr oder weniger gebraucht hätte, um solche schön durch­gezeichneten Schatten zu erhalten. Dieses Links-Rechts-Verschieben ist mit der Excel-Auswertung besonders komfortabel, indem ich dort einfach die Korrektur in DIN-Stufen eintrage.

Ein Standardmotiv mit Kontrastumfang von ca. 1:40 (etwas mehr als 5 Blendenstufen) wird so auf jeden Fall gut durchgezeichnet wiedergegeben und hat sogar noch etwas Spielraum in Richtung Unterbelichtung. Bei Motiven mit mehr als 6 Blendenstufen Kontrast empfiehlt sich eine Spot-Belichtungsmessung auf bildwichtige Schatten, dann die Blende um 3 Stufen schließen. Diese Schatten erhalten damit wieder mindestens die Dichte 0,2 und alles wird (nicht immer, aber oft) gut. Zumindest kann man mit weicher Gradation die Kontraste auf's Papier bringen. Ob die Bildwirkung dann die gewünschte ist, ist eine andere Frage. Notfalls muss man die Kontraste mit Abwedeln und/oder Nachbelichten bändigen. Wenn man die Möglichkeit hat, ist es meist besser, bei so hohen Kontrasten mit Aufhellblitzen zu arbeiten.

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Typische Dichtekurve

Dichtekurve Die →Norm-Film­empfindlich­keit liegt dann vor, wenn der Film bei 4 Stufen Unter­be­lichtung und nach einer Ent­wick­lung auf normalen Kon­trast eine log. Dichte von 0,1 über dem Grund­schleier hat. Im alten Zonen­system nach Ansel Adams ist das die Zone I. Ich empfehle wegen starker Streu­ungen im Fuß­bereich der Kurve nicht die Aus­wertung nach Norm, sondern für mich ist der Beginn der weit­gehend geraden Dichte­kurve maß­gebend. Das ist bei so gut wie allen Filmen der Fall bei einer log. Dichte von 0,2 bzw. bei 3 Stufen Unter­belichtung. Der Kon­trast­umfang des Films ent­spricht dem weit­gehend geraden Teil der Dichte­kurve. Viele moderne Filme (rot) tendieren zu einer langen geraden Dichte­kurve, die sehr tolerant gegen Über­belichtung ist. Das gilt z.B. für Tmax100, Tmax400 oder FP4+ (in Xtol 1+1). Wie weit die Dichte­­kurve nach oben gerad­­linig verläuft, ist eine wesentliche Film­eigen­schaft und kann zusätzlich durch die Wahl des Ent­wicklers beein­flusst werden. Aus­gleichs­ent­wickler (blau) sorgen für eine frühe Abflachung der Kurve mit deutlich ausgeprägter „Schulter“. Die Dichte der Spitz­lichter wird dadurch begrenzt, und der Belichtungs­spiel­raum wird leider kleiner. Einen völlig anderen, gekrümmten Verlauf (grün) zeigen Filme, die für eine Push-Ent­wicklung gut geeignet sind, wie z.B. der Ilford HP5+. Bei Unter­belichtung und →Push-Ent­wicklung steigt dadurch der Gesamt­kontrast nicht zu stark an. (Die farbigen Punkte in dem obigen Diagramm zeigen den Partial­kontrast an den jeweiligen Kurven­positionen.)

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Notlösung: Auswertung des Teststreifens mit Handbelichtungsmesser

Für eine schnelle Überprüfung der Messreihe muss man nicht zwingend erst seine Dunkelkammer aufbauen. Auch ich habe leider nicht den Luxus eines eigenen Laborraumes, es geht auch mit einem Handbelichtungsmesser. Voraussetzung dafür ist, dass dieser mindestens auf 0,1 EV genau anzeigt. Üblicherweise ist das nur bei digitalen Belichtungsmessern der mittleren bis gehobenen Klasse der Fall.

Man misst wieder den unbelichteten Filmanfang (EVa-Wert notieren) und die EV-Werte aller neun Testbelichtungen. Dazu hält man den Film direkt vor das Messfenster und misst gegen eine konstant diffus beleuchtete weiße Wand.

ACHTUNG: Ich habe auch getestet, ob ein weiß aufleuchtender PC-Monitor als Hintergrund taugt. Bei aktuellen Bildschirmen mit LED-Hintergrundbeleuchtung hatte ich leider recht große Streuungen. Ich vermute, das liegt an den LEDs, die keine gleichmäßige Helligkeitsverteilung und kein kontinuierliches Spektrum erzeugen - und das letztere ist offensichtlich nicht immer kompatibel mit der spektralen Empfindlichkeit des Belichtungsmessers!

Das Ergebnis solcher Messungen entspricht (nachgewiesen!) dem mit Densitometern, nur eben nicht so genau, da der Belichtungsmesser die Messwerte in relativ groben 0,1EV-Sprüngen anzeigt, entsprechend einem Dichtesprung von ΔD=0,03 Einheiten. Daher kann es vor allem im für die Empfindlichkeit interessanten Fußbereich der Kurve zu Ungenauigkeiten kommen.

Die logarithmische Dichte D muss mit folgender Formel berechnet werden:
D = (EVaEV) × 0,3 × 0,93
mit EVa = Wert für den unbelichteten Filmanfang,
EV = Messwerte der Testbelichtungen,
0,93 = individueller Korrekturfaktor für meinen Vergrößerer

Die Auswertung der berechneten Dichte­werte erfolgt so wie oben bereits beschrieben. Der zusätzliche Faktor 0,93 ist hier notwendig, damit die mit dem Hand­belichtungs­messer ermittelten Werte mit den Dichte­werten des Labor­belichtungs­messers nach der oben beschriebenen Methode übereinstimmen. Maßgebend ist letztendlich nur die Dichte, die das auf dem Grundbrett liegende Foto­papier sieht. Die Ursache dafür liegt am unter­schiedlichen Callier-Effekt dieser beiden Mess­methoden und an dem Streulicht meines Dunco-Vergrößerungs­gerätes, eine ähnliche Misch­konstruktion wie die Kaiser-Geräte mit Misch­kammer und Kondensor. Bei anderer Beleuchtungs­einrichtung müsste man diesen Korrektur­faktor anpassen. Reine Misch­kammer­geräte (z.B. Farb­vergrößerer von Durst) belichten das Negativ mit mehr Streu­licht und der Korrektur­faktor sollte dort kleiner als 0,93 sein. Reine Kondensor­geräte (alle SW-Geräte mit Opallampe) mit gerichtetem Licht wirken kontrast­verstärkend, und dieser Korrektur­faktor sollte gegen 1 gehen (nach meiner Theorie, mangels solcher Vergrößerer nicht ausprobiert).

Anmerkung:

Den selben Streu­licht­faktor brauche ich übrigens auch für Messungen mit dem Labor­belichtungs­messer, wenn ich die Test­negative nicht in die Bild­bühne einlege, sondern direkt auf das Mess­fenster auflege und mit gerichtetem Vergrößerer­licht von oben belichte. Aus dem selben Grund sind Kontakt­abzüge auch stets kontrast­reicher als Vergrößerungen mit meinem Dunco, und im Kontakt belichtete Grau­stufen­keile (z.B. von Stouffer oder Danes) taugen deswegen nur bedingt zum Eintesten von Papier. Wenn ich meinen Erfahrungs­wert gamma=0,65 mit meinem Faktor 0,93 zurück­rechne auf ein gamma, wie es mit einem Trans­missions­densitometer gemessen werden kann, lande ich bei 0,65/0,93=0,70. Das entspricht dem von Kodak, Ilford, Agfa etc. empfohlenen Negativ­kontrast für Mischbox-Vergrößerer. Damit ist für mich alles plausibel, und der tatsächliche Callier-Faktor kann mir egal sein.

Nach einer Veröffentlichung von Richard J. Henry "Controls in Black-and-White Photography" beträgt der typische, kontrast-verstärkende Callier-Faktor Q bei Mischbox­vergrößerern Q=1,02 und bei Kondensor­geräten Q=1,26. Bei ideal diffuser Beleuchtung mittels Ulbricht­kugel beträgt dieser Faktor genau 1. Der tatsächlich wirksame Callier-Faktor ist unter anderem abhängig von der Beleuchtungs­einrichtung (gerichtetes/diffuses Licht), von der Objektivblende, von der Filmdichte und von der Korngröße. Für kornlose Farb­negativ­filme gilt Q→1, d.h. die Beleuchtungs­einrichtung hat keinen Einfluss auf den Kontrast des Projektionsbilds.

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Der zweite und dritte Teststreifen

Dass die Hersteller­angaben auf Anhieb zu idealen Ergebnissen führen, wäre eher die Ausnahme. Die beste Treffer­quote hatte ich mit meiner Verfahrens­kette mit den Angaben in den Ilford-Daten­blättern, d.h. mit meinem Thermo­meter, mit dem Kipp­rhythmus meiner rechten Hand etc. Meistens ist noch ein zweiter oder dritter Test­streifen erforderlich, dazu reicht der Restfilm in der Patrone. Falls die eingestellte Film­empfindlich­keit beim ersten Versuch grob falsch war, kann das jetzt auch schon ungefähr korrigiert werden. Wichtiger ist, dass man sich jetzt an eine Entwicklungs­zeit heran­tastet, die zu idealen Negativ­kontrasten führt. Mein Excel-Programm gibt jeweils eine Empfehlung für die korrigierte Entwicklungs­zeit aus. Mit diese Vorgehens­weise sind selten mehr als drei Probe-Film­streifen notwendig.

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Geht das mit einem Aufsichtsgraukeil nicht viel schneller?

Im Fachhandel gibt es Aufsichts­graukeile mit mehr oder weniger exakt in logD=0,15 abgestuften Grau­flächen. Wenn man diesen Grau­keil abfotografiert, könnte man die oben empfohlene Test­aufnahmen­reihe durch eine einzige Aufnahme ersetzen. Diese enthält dann die Grau­stufen über alle Zonen hinweg.

Das erste Problem dabei ist die Belichtungs­messung. Eine Messung auf eine Grautafel ist nicht sinnvoll, da kein Belichtungs­messer auf dieses 18% Grau kalibriert ist, siehe meine →Anmerkungen zur Graukarte. Leider kann ich keinen Tipp geben, was man stattdessen anmessen soll. Das zweite Problem mit Aufsichts­graukeilen ist, dass das Ergebnis stark von der Beleuchtung abhängig ist. Meine Erfahrungen damit sind eher schlechte. Eine Fläche mit Tageslicht einheitlich diffus und ohne Reflexionen und jederzeit reproduzierbar auszuleuchten, ist eine Heraus­forderung, die nochmal ordentlich Aufwand erfordert.

Fazit: Graukarten und Aufsichts­grau­keile halte ich für über­flüssig. Wirklich nützlich sind sie nur für den, der sie verkauft.

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Und was hat man jetzt davon?

Filme einzutesten ist nichts Kreatives, sondern eher etwas für einen verregneten Sonntag­nach­mittag. Dadurch allein macht man noch keine besseren Bilder, aber der technische Ausschuss und der damit verbundene Frust wird schnell weniger. Man muss das ja nicht ständig neu machen, sondern für jede Film-Entwickler-Kombination nur einmal. Und Sie wissen ja: ich empfehle 2 gute Filme und 1 bewährten Standard­entwickler, das sind dann zwei Regen-Sonntage. Für einen 400er Film kann man dann noch eine Push-Entwicklung eintesten, falls man tatsächlich einmal meint, das nötig zu haben (für Bühne, Street, ...). Der Aufwand dafür ist gering, je Kombination maximal 3 Stunden, 1 KB-Film und etwas Chemie. Danach kennt man aber seinen Film. Man kann dann z.B. auf bildwichtige Schatten messen und die Belichtungs­messer­anzeige gezielt korrigieren. Oder man kann die Entwicklungs­zeit gezielt verändern, wenn man den Film über­wiegend in der prallen Sonne (dann kürzer) oder bei bedecktem Himmel (dann länger) verknipst hat. Mit Einschränkungen ist das →Zonensystem von Ansel Adams auf diese Weise auch auf die Fotografie mit 12-er Rollfilm oder sogar 36-er Kleinbild­film anwendbar. Vor allem hat man nach einiger Eintesterei verstanden, wie die Fotografie mit Film funktioniert, und warum eine Belichtungs­automatik in der Kamera (womöglich noch mit von der DX-Patrone abgelesener Film­empfindlich­keit) nicht unbedingt ein befriedigendes Ergebnis bringt.

Noch eine Warnung an dieser Stelle: Trotz aller Präzision bei der Film­entwicklung muss man mit Streuungen rechnen. Auch ein Qualitäts-Negativfilm hat Streuungen von einer zur nächsten Fertigungs­charge. Ob man also statt dem Ziel-Gammawert 0,65 mit dem aktuellen Film bei 0,62 oder 0,68 liegt, kann man problemlos bei der Erstellung der Vergrößerungen ausgleichen. Nur gegen Unter­belichtung kann man gar nichts machen. Daher noch einmal mein auch an anderer Stelle genannter Tipp: Im Zweifels­fall nie zu knapp belichten! Oder anders ausgedrückt: Du sollt den Film nicht →pushen, denn dabei verstößt man gegen alle Regeln!

Die Emulsion ist bei 135er Kleinbildfilm und 120er Rollfilm wohl immer dieselbe. Trotzdem gibt es Unterschiede bei Material und Dicke des Trägers, sowie im Lichhofschutz. Auch die Verwirbelung des Entwicklers beim Kippen ist aufgrund unterschiedlicher Spulenabstände nicht identisch. Daher kann man nicht immer die Ergebnisse aus dem Eintesten von KB-Film 1:1 auf Rollfilm übertragen. Man muss das ausprobieren. Meistens sind die Ergebnisse trotzdem identisch. Ein Ausnahme­fall ist Ilford Delta 100. Dieser braucht bei mir als Rollfilm in Xtol eine um 40%(!) verlängerte Entwicklungszeit.

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Stand: Juli 2020